Nur eines von vier tollen Teams (vorne von links): Franziska Altinger, Juliane Schmidt, Lena Fischer, und Tamara Süß. Im Hintergrund die drei Forscher Konstantin Raab, Michael Glashauser und Jonas Wühr vom Campus Plattling, deren Startup vermutlich zukünftig unter der Brand INTRAVOLT firmiert.
Die richtigen Fäden zusammenführen, das ist eine echte Kunst. Oder ein Experiment, Trail & Error. Oder einfach kluge Voraussicht, denn wenn sie sich finden, dann ist das richtig fein. So von mir jedenfalls jüngst beobachtet beim Crossover von Studierenden der Wirtschaftspsychologie und einigen Startups im Rahmen der Vorlesung „Konsum-, Markt- & Werbepsychologie“. Allesamt an bzw. von der THD, alle jung, klug, kreativ, aber beide Stakeholder-Gruppen gefühlt in verschiedenen Welten unterwegs.
Eine Einladung
Angefangen hat das Ding für mich persönlich zunächst einfach nur mit einer Vorlesung zum Thema Medienkompetenz. Für die erwähnten Studierenden der Wirtschaftspsychologie. Klar, so etwas mache ich immer gerne. Zur Belohnung dafür gab’s nicht nur einen interessanten Austausch mit den Studentinnen und Studenten, sondern außerdem von Professor Tobias Nickel eine freundliche Einladung zum Abschluss-Pitch des Semesterprojekts, in welches mein Part offensichtlich eingebettet war. Termin erstmal notiert und fest vorgenommen.
Kurz davor, ich bin ganz ehrlich: Vier. Stunden. Pitch. Really? Da überlegst Du kurz, ob sich das ausgeht, ob es sich mit der sonstigen Workload verträgt. Aber a.) bin ich neugierig, b.) schätze ich die Kontakte zu unseren Studierenden und Gründerinnen bzw. Gründern und c.) gleich direkt vorneweg, hat es sich mehrerlei Hinsicht gelohnt.
Die Aufgabe
Ich mag’s ja, wenn Dinge anders laufen als gewohnt. Statt Frontalunterricht Realprojekt. Neudeutsch: Challenge-based Learning (CBL). Die Aufgabenstellung des Kollegen Nickel war aber mehrfach spannend, weil es für zwei verschiedene „Populationen“ der THD ganz viele Benefits gab. Für die Studentinnen und Studenten, die abseits von fachlichen Aspekten sehr intensiv mit dem Thema Gründung in Berührung kamen. Und umgekehrt für die Ausgründungen (oder solche, die auf dem Sprung dahin sind), die sehr professionell auf ein ihnen (offensichtlich noch) weitestgehend unbekanntes Terrain des Business-Lebens geführt wurden, das des Marketings und der Kommunikation.
Konkret also so: Mehrere Startups der Hochschule hatten die Studierenden mit einem passenden Marketingkonzept für ihre Geschäftsidee beauftragt. Cheap & nice, wenn man so von seiner Alma mater profitieren kann.
Umgekehrt hatten die Studentinnen und Studenten die großartige Chance, real-live als Marketing- und Kommunikationsagentur der Entrepreneure zu agieren. Als jemand, der schon viele „echte“ Agentur-Pitches erlebt hat, war ich wirklich gespannt auf die Performance der Studierenden, die ich in meiner eigenen Vorlesung, hm… sagen wir mal nicht so sehr als „Rampensäue“ wahrgenommen hatte. Aber man kann sich täuschen!
Unternehmerische Hochschule in Höchstform
Am Start waren vier Pitch-Crews für die Kunden „Career Captain“, „Intravolt“ (die BTW vorher noch einen ganz anderen Arbeitsnamen hatten), Methodenschatz e. K. und Athegus GmbH. Jedes Team hatte 45 Minuten für die Präsentation plus Feedback-Runde.
Wie soll ich sagen? Das war für mich „Die unternehmerische Hochschule“ in Höchstform. Auf einem sehr, sehr ansprechenden Level. Branding, Design, Markenkommunikation, Markenmodelle und Markenarchitekturen, Produktstrategien, Zielgruppenanalysen – alles war dabei. Jede Menge kreative Ideen im Köcher, gepaart mit absolut fundierten Analysen und zudem souverän vorgetragen. Grafisch viermal verschieden, grafisch viermal sehr erfrischend und schön anzuschauen. Geradezu professionell. Ich wünschte in solchen Momenten immer, dass viel mehr Leute das erleben könnten und sich inspirieren, respektive motivieren ließen.
Die gleiche Begeisterung empfinde ich natürlich auch für die ganz jungen, die jungen und die schon etwas reiferen Startups der THD (und auch von anderswo). Was für coole, technisch anspruchsvolle und sinnvolle Geschäftsideen ihr habt! Das war jetzt nicht neu für mich – ich denke beispielsweise nur an den grandiosen Deggendorfer Gründungstag im November 25 – aber ich bin ein aufs andere Mal geflasht, was da passiert und wie sehr dies das oft bodenlose Geschwätz über die GenZ konterkariert. I love it!
Innovation durch Kollaboration
Ich hoffe und gehe davon aus, dass vergleichbare Kooperationen immer wieder auch an anderer Stelle und zu jeder Zeit an der THD passieren (können). Dass sie keine vergleichbare Sichtbarkeit bekommen, ist einfach dem Zufall geschuldet. Oder besser Prof. Nickel, über den ich in dieses Projekt reingeschlittert bin. Und meiner Begeisterung, der ich hier im Blog Ausdruck verleihen wollte.
Abschließend möchte ich einen Gedanken noch hinzufügen: Vielleicht unterschätzen wir uns selbst zu oft und auch andere? Ich hoffe, dass allen bewusst ist, wie viele Möglichkeiten und unerwartete, gewinnbringende Touch-Points unsere Hochschule bietet. Denn Digitalisierung und Künstliche Intelligenz hin oder her – Innovation entsteht durch Kollaboration. Zwischen analogen Menschen.
Also bleibt stabil. Weil ihr es könnt!
Jörg Kunz
Jörg Kunz ist promovierter Biologe und PR-Experte mit vielen Jahren Erfahrung in Agentur und Industrie sowie in Expertenorganisationen wie Krankenhaus oder Hochschule. In seinen Blogbeiträgen wirft er einen persönlichen Blick auf aktuelle Ereignisse und betrachtet diese aus der Sicht der Kommunikation bzw. im speziellen aus Sicht der Wissenschaftskommunikation.