Presseartikel

Ehrenamtliches Engagement

Bayerische Staatsmedaille für THD-Absolventin

10.11.2021 | Zentrum für Akademische Weiterbildung

Wenn sich Familien entschließen, ihr sterbendes oder sterbenskrankes Kind zu Hause zu pflegen, bedeutet das einen enormen psychischen, physischen und organisatorischen Kraftakt. Beatrix Kempf als ausgebildete Palliativ-Krankenschwester kennt diese Herausforderungen häuslicher Pflege und hat deshalb 2016 den Verein Stiftland-Sternenkinder gegründet. Für dieses ehrenamtliche Engagement wurde sie kürzlich mit der Bayerischen Staatsmedaille für Soziale Dienste ausgezeichnet.

Die 43-jährige Mitterteicherin ist eine Powerfrau. Neben Beruf und Ehrenamt hat die Mutter von vier Kindern auch noch das berufsbegleitende Studium „Bachelor Pflegepädagogik“ an der THD gestemmt. Studiengangleiter Prof. Dr. Michael Bossle erklärt stolz: „Unsere Absolventin hat in Vereinsregie die Unterstützung von Familien mit lebensverkürzt erkrankten Kindern und Jugendlichen in der nördlichen Oberpfalz maßgebend verbessert. Mit ihrem Wissen aus Praxis und Studium hat sie Alleinstellungsmerkmale in der Versorgung, Beratung und Pflegediagnostik von palliativen Situationen mit Kindern im häuslichen Bereich entwickelt.“ Auch THD-Präsident Dr. Peter Sperber hat seinen Respekt zum Ausdruck gebracht: „Sie haben das Wesen von Pflege in diesem Zusammenhang erfasst und kultiviert“, schrieb er an die Oberpfälzerin.

Hinter dem pionierhaften Einsatz von Beatrix Kempf steht ein konkretes Schicksal, das wegweisend für sie war: „Alles begann mit einer Anfrage eines Intensiv-Pflegedienstes speziell für Kinder. Eine Familie ließ anfragen, ob eine Palliativ-Pflegerin für 2 Stunden täglich kommen könne, um die Angehörigen etwas zu entlasten. Der Sohn der Familie lag im Sterben. Ich kam und begriff schnell, dass es mit zwei Stunden am Tag nicht getan war. Die Krankenkasse reagierte jedoch nicht schnell genug und so verbrachte ich einfach zusätzlich und unentgeltlich mehr Zeit bei der Familie, auch über Nacht.“ Nach dem Tod des Jungen sprach sich das Engagement der Pflegerin herum und es kamen erste Spenden mit dem Ziel, diese Arbeit für andere betroffene Familien fortführen zu können – schnell, bedarfsgerecht und unbürokratisch.

Beatrix Kempf und ihre Mitstreiterinnen arbeiten nach dem Motto von Annett Kennedy, irische Krankenschwester und Präsidentin des International Council of Nurses: „Bring your chair on the table“. Mittlerweile besteht das Team aus 5 Pflegefachkräften. Welche Unterstützung eine betroffene Familie braucht, entscheidet sich jedes Mal neu und ist deshalb so wirksam. „Wir setzen uns zusammen an den Tisch und entwickeln mit der Familie gemeinsam die Pflegeziele“, erklärt Kempf und ergänzt: „Dank der spendenfinanzierten Vereinstätigkeit können wir frei und fallbezogen agieren. Wir suchen für jede Familie die benötigten Ärzte und pflegen ein sehr gutes Verhältnis zu Kinderärzten, Pädagogen und anderen Partnern. Auch Dinge wie die Betreuung von Geschwisterkindern, was man als Außenstehender vielleicht gar nicht auf dem Schirm hat, thematisieren wir häufig und suchen nach Lösungen.“

Politisch fordert Kempf Pflegestützpunkte mit festen Ansprechpartnern in den Kommunen, damit die Angehörigen nicht allein bleiben mit ihren Nöten. Auch unabhängige Helfer sollten mehr Einflussmöglichkeiten erhalten, schlägt sie vor: „Eine bessere Versorgung zu Hause kann die Lebensqualität messbar steigern.“ Kompetenten Fachkräften für Gesundheitspflege kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, so Kempf: „Dieses Aufgabenfeld und unser Auftreten ist bei Ärzten und Bevölkerung noch kaum bekannt.“

Im Hauptberuf unterrichtet Beatrix Kempf an der Berufsfachschule für Pflege am Klinikum Fichtelgebirge. Stillstand gibt es trotz all der Herausforderungen für die Pflegepädagogin nicht. Im März 2022 kehrt sie an die THD zurück und nimmt das neue berufsbegleitende Masterstudium „Berufspädagogik - Gesundheit & Pflege“ auf. Hier interessiert sie besonders die Forschung rund um die Versorgung von Familien von Kindern in Palliativsituationen.

Bild (Gert Krautbauer / StMAS (Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales)): Im Festsaal der Augsburger Residenz überreichte Ministerin Carolina Trautner (rechts) die Staatsmedaille für soziale Verdienste an Beatrix Kempf.