History on catwalk

28.4.2017 |

20170428 history on catwalkGeschichte der Pflege wird lebendig

Pflegeschichte ist Teil einer zeitgemässen Pflegebildung. Zu verstehen wer man ist und wohin der Weg gehen soll, muss man wissen woher man kommt und welche Prägung die Berufsgeschichte hat. Das Forum Culturale an der TH Deggendorf hat sich als lebendige und kreative Veranstaltung der Fakultät Angewandte Gesundheitswissenschaften oder des Studien-gangs Pflegepädagogik in der Hochschulgemeinde etabliert.

Es greift Themen aus der Pflege und der Pflegebildung auf, die zwar „nur“ informell als Teil des Curriculums zu begreifen sind, aber trotzdem eine Relevanz für Pflegestudierende und die Öffentlichkeit haben.

Am 30.03.2017 stand das Forum Culturale ganz im Zeichen der Pflegegeschichte. Unter dem Motto „History on Catwalk“ gab es für die Besucherinnen und Besucher eine Modenschau für pflegerische Arbeits- und Ordenstrachten zu sehen.

Nachgeschneidert wurden diese Trachten von Tomislav Kovacevic, selbst Krankenpfleger und im Nebenberuf Modeschöpfer. Hr. Kovacevic berichtete, dass ihn auch Erlebnisse im Pflegeunterricht dazu angeregt hätten, sich dafür einzusetzen, dass die alten Arbeits- und Ordenstrachten nicht in Vergessenheit geraten, gerade auch, weil diese im Arbeitsalltag Pflegender immer weniger präsent sind und durch moderne Berufskleidung verdrängt wurden. Originalgetreu und nach präzise überlieferten und erhaltenen Schnittmustern fertigt Herr Kovacevic Ordenstrachten aus ganz Europa an.

Dabei haben Arbeitstrachten in der Pflege, deren Geschichte geprägt ist durch katholische Orden, wie Benediktinerinnen zu Zeiten Hildgard von Bingens, später auch durch die evangelischen Diakonissen, sowie Schwesternschaften der Caritasgemeinschaft und des roten Kreuzes, eine lange Tradition. Zudem gab es außerhalb der Ordenspflege zum 19. Jahrhundert keine andere pflegerische Organisationsform (Rabe, 2009, 23).

Die damaligen Ideologien und Werte, wie die „Imitatio Dei“, die im Diskurs über das selbstlose Dienen mündete (Kellner, 2011, 88), prägen die Pflege z.T. noch bis heute.

Modeschöpfer Kovacevic begleitete das Publikum mit seinen nachgeschneiderten Trachten und Informationen dazu durch die Geschichte der Pflege, begonnen im 12. Jahrhundert bei Hildegard von Bingen bis hin zu einer Arbeitstracht aus Kroatien um 1980. Neben vielen anderen Modellen wurde auch die Tracht der Diakonissen, ein Originalkostüm aus der ARD-Serie „Charité“ gezeigt.

Die Models auf dem Laufsteg waren größtenteils Pflegende – Schülerinnen der Krankenpflegeschule Deggendorf und Studierende der THD.

Nach der Modenschau nahmen auch die Models noch Stellung zu ihren teils sehr aufwändigen und oftmals unangenehm zu tragenden Trachten. Hierbei wurde darüber diskutiert, wie es gewesen sein muss, damit zu arbeiten.

Der Einladung von Prof. Dr. Michael Bossle, Dekan der Fakultät Angewandte Gesundheitswissenschaften, zum Forum Culturale folgten neben drei Zeitzeuginnen auch Claudia Hauck von der Caritasgemeinschaft Bayern, die Pflegewissenschaftlerin Elisabeth Linseisen und Alexandra Reinke von der Schwesternschaft des Roten Kreuzes.

Die Zeitzeuginnen belebten die anschließende Diskussion mit Berichten zur geschichtlichen Entwicklung der Schwesternschaften und ihrer Trachten. Beispielsweise wurde die Caritasgemeinschaft während der NS-Zeit gegründet, um katholische Schwestern vor der Eingliederung in die NS-Schwesternschaft zu bewahren.  Außerdem konnten die Zeitzeuginnen Anekdoten zum Leben in und mit Tracht beisteuern. Unter anderem sei die Stringenz der Kleiderordnung von der Oberin des Hauses abhängig gewesen. Man sei Anfeindungen traditioneller katholischer Ordensgemeinschaften ausgesetzt gewesen und so galten die Tracht und das Tragen der Haube als ein Beweis der Anständigkeit.

Im Plenum wurde abschließend kontrovers diskutiert, ob eine einheitliche Kleidung die Pflege über Berufsgruppen hinweg einen könnte. Dabei kamen die Vorteile, wie die Außenwirkung als einheitlich auftretende Berufsgruppe und auch problematische Aspekte wie die geschichtliche Prägung von Uniformität zur Sprache.