Projektarbeit mit Pilotcharakter

12.12.2013 |

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Studierende begleiten Erweiterung der Technischen Hochschule Deggendorf.

Im Rahmen einer Projektarbeit mit Pilotcharakter begleiten Studierende der Fakultät Bauingenieurwesen und Umwelttechnik die Erweiterung der Technischen Hochschule Deggendorf (THD). Ziel ist es, das 45 Millionen Projekt beim Erreichen eines möglichst hohen Zertifizierungsstatus zu begleiten. Je nach Höhe des Erfüllungsgrades können dadurch Zertifikate in Bronze, Silber oder Gold erlangt werden.

 

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Die Zertifizierung erfolgt nach dem „Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude“ (BNB) des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS). In Deutschland ist eine Zertifizierung von öffentlichen Gebäuden bisher relativ unbekannt, da das Bewertungssystem des Bundes nur empfehlend und nicht verpflichtend für die Länder ist. Dadurch bestehen noch keine gesetzlichen Vorgaben darüber, dass neugebaute Verwaltungs- und Lehrgebäude in Bezug auf ihre nachhaltige Bauweise zertifiziert werden müssen. Professor Josef Steretzeder, Projektleiter und Fachmann für ökologisches Bauen und Nachhaltigkeit, erklärt hierzu: „Mittelfristig gesehen wird jedes öffentliche Gebäude eine Mindestbewertung bestehen müssen. Aus diesem Grund möchte die Hochschule durch eine freiwillige Zertifizierung der Erweiterungsbauten eine Vorbildfunktion einnehmen und in Sachen „Green Building“ mit gutem Beispiel vorangehen“. Statt die Begleitung zur Gebäudezertifizierung komplett an eine externe Stelle zu vergeben, nutzt die THD das Potential ihrer Studierenden und bietet diesen damit einen deutlichen Mehrwert zu ihrem Studium. „Durch die Kombination aus Theorie und dem hohen Praxisbezug im Lernprozess kann so zu einem besseren Verständnis für nachhaltiges Bauen beigetragen werden“. Damit ist die THD eine der ersten Hochschulen, die ihren Studierenden Möglichkeiten bietet, die Zertifizierungsreife eines ökologisch wertvollen Gebäudes zu begleiten. Bei der Projektarbeit beschäftigen sich die Studierenden zunächst mit den Kriterien und Anforderungen des Bewertungssystems. Anschließend setzen sie sich mit den notwendigen Unterlagen und Bauplänen auseinander und besichtigen parallel dazu die angrenzende Baustelle. Dabei können sie im Baufortschritt das Gebäude auf dessen Nachhaltigkeit überprüfen, ob beispielsweise besonders emissionsarme Baustoffe verwendet wurden oder die Tageslichtausnutzung und Klimaregulierung optimal sind. Die Ergebnisse sollen anschließend ausgewertet und gegebenenfalls Verbesserungsvorschläge in Bezug auf die Bewertungskriterien und das Bauprojekt unterbreitet werden. Laut Professor Steretzeder haben sich im Laufe des Projekts bereits einige Studierende durch sehr gute Leistungen und Engagement herauskristallisiert. „Diese Studierenden werden gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, denn der Umgang mit dem Thema Nachhaltigkeit zeichnet die Bauingenieure der Zukunft aus“. Die Initiatoren hoffen, dass das Projekt im kommenden Jahr bereits erste Früchte tragen wird: „Es wäre schön, wenn bis zur Landesgartenschau, die 2014 in Deggendorf stattfindet, schon eine Aussage darüber getroffen werden kann, wie hoch der Zertifizierungsgrad sein wird“. Das Thema Nachhaltigkeit soll auch in den nächsten Jahren die Erweiterungsbauten der THD am praktischen Beispiel begleiten. Deshalb hat es sich Professor Steretzeder zur Aufgabe gemacht, durch verbesserte Kommunikation und Information mehr Professoren der Hochschule Deggendorf für dieses Projekt und das Thema Nachhaltigkeit zu gewinnen, um hier fächerübergreifend Brücken zu bauen. Dadurch soll den Studierenden die Möglichkeit geboten werden, auf diesem Gebiet umfassende Fachkenntnisse zu erhalten.

Hintergrund: Nachhaltiges Bauen dient dem Schutz von Umwelt, Ressourcen, Gesundheit, Kultur und Kapital. Aus diesen Faktoren leiten sich die klassischen drei Dimensionen der Nachhaltigkeit „Ökologie, Ökonomie und soziokulturelle Aspekte“ ab. Ergänzt werden diese von den technischen und prozessualen Aspekten, wie z.B. der technischen Ausrüstung, der Planung und der Bauausführung. An diesen Faktoren soll die „nachhaltige“ Qualität eines Gebäudes gemessen werden. Eine umfassende Betrachtung des gesamten Lebenszyklus von Gebäuden spiegelt dabei die internationalen Entwicklungen im Bereich Normung zum Nachhaltigen Bauen wider.