Mobil sein trotz Behinderung

16.11.2012 |

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Elektrofahrzeuge deutscher und tschechischer Studenten machen die Mobilität behinderter Menschen möglich.

David Charles führte den anderen Studenten im Hörsaal des Chamer Technologie Campus das von ihm und seinem Team entwickelte Elektrovehikel für Rollstuhlfahrer vor.

Die Region diesseits und jenseits der bayerisch-böhmischen Grenze steht vor derselben Herausforderung: Die Bevölkerung wird immer älter und immer mehr Menschen werden in Zukunft auf einen Rollstuhl oder Gehilfen angewiesen sein. Studenten der Hochschule Deggendorf, des Technologie Campus Cham und der Westböhmischen Universität Pilsen haben deshalb gemeinsam ein Konzept entwickelt, mit dem diese Menschen auch im ländlichen Raum mobil bleiben. Die Studenten setzen dabei auf behindertengerechte Elektrofahrzeuge. Am Donnerstag stellten sie ihre Modelle am Chamer Campus vor.

Am Anfang des Projekts stand die Analyse der demographischen Entwicklung in der Region. Die Studenten um Vilem Dostal, Diplomingenieur der TU Liberec und Dozent an der Hochschule Deggendorf, fanden heraus, dass in den kommenden Jahren die Menschen nicht nur älter werden, sondern auch die Zahl der Rollstuhlfahrer wächst. Sie sollen sich frei in ihrer Umgebung bewegen können - auch auf dem Land, wo öffentliche Verkehrsmittel rar sind.

EU fördert Projekt

Die Projektgruppen setzten sich also das Ziel, ein Fortbewegungsmittel für Gehbehinderte zu entwickeln, das gleichzeitig umweltschonend ist. Den Anfang hatten die Studenten der Universität Pilsen schon gemacht. Fakultätsübergreifend arbeiteten dort Maschinenbauer, Designer, Mediziner und Logistiker zusammen, um neue oder verbesserte Produkte für die Industrie zu entwickeln.

2008 nahmen sie sich schließlich alten und behinderten Menschen an und begannen für sie ein Mobilitätskonzept zu entwerfen. Ein Jahr später stieg auch die Hochschule Deggendorf ein und das grenzüberschreitende Projekt war geboren. Finanzielle Unterstützung gibt es dafür aus der Ziel 3-Förderung der EU. "Damit können wir problemlos ein weiteres Jahr zusammenarbeiten", freut sich Dostal.

Als Erstes analysierten die Projektteilnehmer, welche vergleichbaren Fahrzeuge es auf dem Markt gibt, und wie man diese verbessern kann. Senioren brauchen größere Türen, gehbehinderte Menschen einen Sitz, der beim Öffnen der Tür herausfährt und Rollstuhlfahrer eine Konstruktion, die sie samt Rolli auf die Fahrerseite hebt, stellten die Studenten fest.

Elektro-Rikscha für Rollis

Die tschechischen Studenten entwickelten und bauten auf Basis dieser Erkenntnisse ein behindertengerechtes Elektroauto mit drei Rädern, das all diese Voraussetzungen erfüllt. Die bayerischen Studenten zogen nach und schufen eine Art Elektro-Rikscha für Rollstuhlfahrer. Ihr Ziel sei es gewesen, innerhalb eines Semesters, ein fahrtüchtiges Fahrzeug zu bauen, erläuterte der Maschinenbaustudent David Charles stellvertretend für sein Team. Es sei ihnen gelungen, einen neuartigen Hebemechanismus einzubauen, durch den der Rollstuhlfahrer selbstständig auf das Vehikel auffahren kann. Das mopedähnliche Gefährt erreicht laut Charles eine Geschwindigkeit von 20 bis 30 Stundenkilometer und kann bis zu 70 Kilometer weit fahren. Das besondere Elektrorad haben die Studenten mitgebracht. Im Anschluss an die Präsentation durften ihre Kommilitonen eine Probefahrt vor dem Campus unternehmen.

Gemischte Teams

Dank der EU-Förderung laufen die Projekte weiter. "Wir versuchen die Kooperation noch auszuweiten", kündigt Dostal an. Geplant seien Projektgruppen, in denen deutsche und tschechische Studenten gemeinsam forschen. Auch die Chamer Studenten werden eingebunden. In der Kreisstadt, die in der Mitte zwischen Deggendorf und Pilsen liegt, treffen die Teams zusammen, präsentieren sich gegenseitig ihre Arbeit und bauen dort Prototypen.

Quelle: Chamer Zeitung / Idowa